Wilder Hopfen

Wilder Hopfen umrankt eine Hausnummer

"Hopfen und Malz - Gott erhalt's!" Nicht nur Gerste zum Bierbrauen wächst wild in unserer Stadt, sondern auch der Hopfen, Humulus lupulus. Er ist eine echte Schlingpflanze, die sich im Stadtdschungel recht wohl fühlt und alles nutzt, um ans Licht zu kommen. Gerne auch Straßenschilder oder Laternenpfähle. ...

In flüssiger Form ist der Hopfen wohl bekannt: Als Bierwürze ist er neben Gerstenmalz und Hefe ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Biersorten. Die Mönche haben als erste festgestellt, dass sich Hopfenmehl, bzw. Lupulin, ein feines gelbes Pulver, das zwischen den Schuppen der Fruchtzapfen der weiblichen Pflanze gebildet wird, hervorragend zur Konservierung eignet. Es verleiht dem Bier außerdem einen angenehm herben Geschmack.

Der Hopfen wird in Europa seit Jahrhunderten angebaut und kultiviert. Die Kulturform des Hopfens besitzt Drüsen, die besonders viel Lupulin produzieren können. Die bis zu 6 m hohe Schlingpflanze, die sich mit ihren rauen Haaren und ihren in gegensätzliche Richtungen weisenden Klimmhaken an Bäumen, Pfählen und Zäunen emporrankt, ist in manchen Gegenden Süddeutschlands prägend für das Landschaftsbild.

Der Hopfen ist zweihäusig, das heißt, Pollen und Fruchtstand befinden sich getrennt auf männlichen und weiblichen Pflanzen. Für die Bierbrauerei ist allerdings nur der unbefruchtete weibliche Hopfen verwertbar, denn die befruchteten Früchte schmecken zu bitter und beeinträchtigen den Geschmack des Bieres. Beim Hopfen-Anbau wird deshalb streng darauf geachtet, dass möglichst keine männlichen Pflanzen in der Nähe wachsen.

Seit dem Mittelalter kennt man den Hopfen als mildes, beruhigendes Arzneimittel, das auch heute noch in vielen schlaffördernden Teemischungen enthalten ist.  Der Hopfen gehört zu der Familie der Hanfgewächse, Cannabaceae, und auch ein anderes Hanfgewächs, Cannabis sativa, das manche als Haschisch oder Marihuana kennen, besitzt beruhigende und schmerzdämpfende Eigenschaften. Die Gerb- und Bitterstoffe des Hopfens wirken zudem magenfreundlich und verdauungsfördernd. Heute weiß man auch, dass die im Hopfen enthaltenen Phyto-Östrogene hifreich bei Beschwerden der Wechseljahre sein können. Deshalb ist bei Männern zu reichlicher Biergenuss eigentlich nicht empfehlenswert ...

Hopfen umschlingt Fahrrad, Foto: Elke BehrendsTrotz seiner vielen guten Eigenschaften kann der Hopfen recht lästig werden. Wenn man einmal darauf achtet, sieht man, dass er sich an vielen Straßenschildern in Berlin emporrankt. Oder an Fahrrädern, wenn man sie zu lange stehen lässt ... Aus dem ausdauernden Wurzelstock bildet der Wilde Hopfen jedes Jahr neue, schnell wachsende Triebe. Es nützt also nicht viel, diese auszureißen. Um ihn etwas zu bändigen, könnte man im Frühjahr die zarten Spitzen der Triebe wie Spargel dünsten und essen. Doch in der Großstadt ist dies keine empfehlenswerte Alternative.