Wilde Möhre

Wilde Möhre an einer Straßenlaterne

Die filigranen, weißen Blütenschirme der Wilden Möhre sind im Sommer am Straßenrand oft zu sehen. Zart wie Spitze erscheinen die aus Hunderten kleiner Blüten zusammengesetzten Dolden. Deshalb heißt die Wilde Möhre im Englischen auch “Queen Anne’s lace”,  Königin Annes Spitzendeckchen. Früher wurde die Pflanzenfamilie mit den schirmförmigen Doldenblüten von den Botanikern Umbelliferacea genannt, nach dem lateinischen Wort umbella = Sonnenschirm. ...

Die Wilde Möhre, Daucus carota, ist ein Vorläufer unserer als Gemüse hoch geschätzten Kulturmöhre. Mit ihrer starken Pfahlwurzel bohrt sie sich bis zu 80 cm tief in die Erde, um im zweiten Jahr ihre schönen Blütendolden selbst noch bei großer Trockenheit zu bilden. Die Pfahlwurzel dient ihr dabei als Vorratsspeicher.  Die Wilde Möhre duftet und schmeckt dank ihrer ätherischen Öle typisch nach Möhre und ist sehr nährstoff- und vitaminhaltig. Allerdings enthält ihre weiße Wurzel kein ß-Carotin wie unsere Kulturmöhre, die dadurch ihre orangerote Farbe erhält. Schon in der Antike empfahl Dioskurides den Verzehr von Möhren zur allgemeinen Kräftigung.  Auf Grund der Form der Wurzel versprach man sich in vielen Kulturen darüber hinaus eine aphrodisierende Wirkung. Auch war auch die wurmtreibende Eigenschaft der Möhren früher von Bedeutung.

Wilde Möhre am StraßenrandDie Familie der Doldengewächse ist sehr groß. Zu ihr gehören viele bekannte Gemüse- und Gewürzpflanzen, wie zum Beispiel der Sellerie, im Lateinischen apium genannt, der heute der Familie der Doldengewächse ihren lateinischen Namen Apiaceae gibt. Kerbel, Petersilie, Kümmel, Anis, Dill, Fenchel, Giersch und Bärenklau gehören zu den Doldengewächsen, aber auch so hochgiftige Arten wie z. B. der gefleckte Schierling. Die Verwechslungsgefahr ist sehr groß. Die Wilde Möhre besitzt jedoch ein unverkennbares Merkmal: In der Mitte der Dolde befindet sich meistens einen einzelne dunkle, sterile Lockblüte, die aussieht wie ein kleines Insekt. Durch diese Lockblüte kann man sie leicht von anderen weißen Doldenblütlern unterscheiden. Wenn nach der Blütezeit die mit Stacheln besetzten Früchtchen zu reifen beginnen, krümmen sich die Doldenstrahlen der Wilden Möhre schützend zu einem Nest zusammen. Wenn die Samen reif sind, öffnen sie sich bei trockenem Wetter wieder.

Wilde Möhre, geschlossene BlüteViele Insekten profitieren von dem leicht zu erreichenden Nektarangebot der kleinen, flachen Blüten, vor allem kurzrüsselige oder rüssellose Insekten wie Käfer und Fliegen. Für viele Schmetterlinge ist die Wilde Möhre ein begehrter Platz für ihre Eiablage. Vor allem einer unserer schönsten Schmetterlinge, der Schwalbenschwanz, bevorzugt die Wilde Möhre als Nahrungsangebot für seinen Nachwuchs.