Weiße Waldrebe

Weiße Waldrebe, Blüten an einem Zaun

Nicht nur in tropischen Regenwäldern wachsen Lianen, auch bei uns in Nordeuropa könnte sich Tarzan durch die Lüfte schwingen. Unsere einheimische Liane, die Weiße Waldrebe, hat nicht nur den Wald, sondern auch unsere Großstädte erobert. Bis zu 30 Meter hoch kann diese Kletterpflanze mit ihren berührungsempfindlichen, langen Blattstielen klimmen. Diese winden sich um Zweige von Bäumen oder auch um Drähte von Zäunen. ...

Der wissenschaftliche Name, Clematis vitalba, setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort klema für Ranke und den lateinischen Worten vitis, Rebe und albus, weiß. Im Sommer überzieht die Weiße Waldrebe Bäume, Sträuche und Zäune mit ihrem weißen, duftenden Blütenteppich.

Waldrebe Fruchtstand

Im Herbst und Winter schmückt die Waldrebe sich mit silbrig-glänzenden, haarigen Früchten. Wegen dieser wolligen Fruchtstände wird die Waldrebe in manchen Gegenden Deutschlands auch Federbaum, Frauenhaar oder Herrgottsbart genannt.

Weiße Waldrebe im WinterIn England heißt sie poetisch Traveller’s Joy, in Frankreich hingegen abfällig Herbe de Gueux, Bettlerkraut. In früheren Zeiten sollen sich Bettler mit ihrem frischen Pflanzensaft eingerieben haben, um möglichst geschunden und mitleiderregend auszusehen. Wie viele Pflanzen aus der Familie der Hahnenfußgewächse enthält die Waldrebe in den frischen Blättern hautreizende Giftstoffe. Mäßig verwendet konnten Kompressen der frischen Blättern jedoch heilend wirken, so z. B. bei Furunkeln oder schmerzenden Gelenkerkrankungen. Heute findet die Waldrebe nur noch in der Homöopathie und in der Bachblüten-Therapie Verwendung.

Im Naturgarten wirkt die Waldrebe besonders schön, wenn sie eine Laube umranken kann oder unschöne Zäune verbirgt. Mit den großblühenden, bunten Clematis-Züchtungen aus den Gärtnereien kann die wildwachsende Waldrebe sicher nicht konkurrieren. Genau genommen besitzt die Weiße Waldrebe nicht einmal Blütenblätter. Nur die weißen Oberseiten der weit geöffneten Kelchblätter umhüllen wie Scheinblüten die zahlreichen langen Staubfäden. Im Gegensatz zu den Züchtungen verströmt die Weiße Waldrebe jedoch einen süßen Duft, lockt viele nützliche Insekten an und bietet den Vögeln beliebte Nistplätze, vor allem in der Großstadt.