Wegwarte

Wegwarte am Straßenrand

„Was ihn aber mit aller Macht anzog, war eine hohe, lichtblaue Blume. Rund um sie her standen unzählige Blumen in allen Farben und der köstlichste Duft erfüllte die Luft. Er aber sah nichts als die Blaue Blume und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit.”,  schreibt Novalis 1802 in seinem „Heinrich von Ofterdingen”. So wie er haben die Dichter der Romantik die „Blaue Blume” oft besungen. Heute findet man die „Blaue Blume” manchmal auch am Rand einer vielbefahrenen Straße. Allerdings ist sie dort nicht umgeben von unzähligen Blumen in allen Farben, und keineswegs erfüllt der köstlichste Duft die Luft, sondern eher die  Abgase der vorbei brausenden  Autos. ...


Der Sage nach ist die Wegwarte eine verzauberte Braut, die auf ihren Liebsten wartet, der in den Krieg ziehen musste. Sie wartete und wartete, aber der Geliebte kam nicht zurück. Da wurde sie von einer guten Fee in eine Blume verwandelt, die blaue Blüten der Hoffnung und der Sehnsucht trägt.

Wegwarte am StraßenrandSo schön, wie die blauen Blüten sind, möchte man sie gerne mit nach Hause tragen. Doch in der Vase bleibt nur ein wenig attraktiver, sperriger Stängel übrig, denn die Blüten schließen sich schon nach kurzer Zeit. Auch an der Staude blühen sie nur einen Tag lang, dann öffnen sich die nächsten.

Wie der Name schon sagt, ist die Wegwarte besonders oft an Wegrändern zu finden. Ihre klebrigen Samen heften sich an Schuhsohlen und Reifen und sorgen dafür, dass sie sich, vom Mittelmeerraum kommend, immer weiter verbreiten konnte. Sogar bis nach Amerika hat es die Pflanze geschafft, wo sie von den Pionieren „Blue Sailors” genannt wurde.

Die Wegwarte ist eine Verwandte des Löwenzahns, und wie dieser enthält sie Milchsaft und verdauungsfördernde Bitterstoffe. Das war schon im Altertum und im Mittelalter bekannt.

In aller Munde war die Wegwarte, Cichorium intybus, die Zichorie, eine Zeit lang als Kaffeeersatz. Friedrich der Große war es vor allem, der ihren Anbau förderte, denn echter Kaffee war sehr teuer. So wurde der „Muckefuck”, der Mocca faux, in Deutschland viel getrunken. Im Magdeburger und Braunschweiger Raum gab es florierende Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Kaffeeersatz spezialisiert hatten. Sehr schnell kam der Zichorienkaffee aber wieder aus der Mode, als die Einfuhr von Kaffee billiger wurde. Erst in Kriegszeiten besann man sich wieder darauf, aus der Zichorienwurzel ein „kaffeeähnliches Heißgetränk“ zu brauen. Deshalb haftete dem Zichorienkaffee noch lange Zeit ein schlechtes Image an. Heute ist er für Gesundheitsbewusste eine magenfreundliche  Alternative zum Bohnenkaffee.

Gesund ist auch der Chicorée, eine Zuchtform der Zichorie. Bei Dunkelheit und mit viel Wasser werden die zarten, leicht bitteren Blätter für den Salat gezogen. Auch Radiccio und Endivie sind Zuchtformen der Wegwarte.