Strahlenlose Kamille

Strahlenlose Kamille in Pflasterfuge

Diese kleine unscheinbare Pflanze, Maricaria discoidea, ist in den Pflasterfugen leicht zu übersehen, obwohl sie häufig auf überdüngten, stark verdichteten Lehmböden, wo andere Pflanzen kaum noch wachsen können, zu finden ist. Allerdings muss man schon genau hinschauen, um dieses manchmal nur 5 cm hohe Pflänzchen zu finden, denn der Strahlenlosen Kamille sind die weißen Zungenblüten abhanden gekommen, wie wir sie von der bekannten Heilpflanze Matricaria chamomilla, der Echten Kamille, kennen. Nur der kegelförmig gewölbte Boden aus kleinen gelben Röhrenblüten ist übrig geblieben und die für die Kamille typischen fein gefiederten Blätter.

Der Name Kamille kommt ursprünglich aus dem Griechischen. Er setzt sich zusammen aus chamai = niedrig und melon = Apfel, was sich auf den typisch aromatischen, an Äpfel erinnernden Geruch der Echten Kamille bezieht.

Obwohl auch die Strahlenlose Kamille stark aromatisch duftet, was anzeigt, dass sie ätherische Öle enthält, besitzt sie jedoch nicht das entzündungshemmende Chamazulen, das die Heilwirkung der Echten Kamille ausmacht. Lediglich als als wurmtreibendes Mittel wäre die Strahlenlose Kamille medizinisch verwendbar.

Die Echte Kamille wurde schon von den Ägyptern als Blume des Sonnengottes Re verehrt, die Germanen sahen in ihr ein Symbol des Lichtgottes Baldur. Heute als Unkraut auf den Äckern bekämpft, war die Kamille schon immer eine hochgeschätzte Heilpflanze. Als Pflanze der Mütter (matrix lat. = Mutter, Gebärmutter) hilft Matricaria chamomilla bei Krämpfen und  Entzündungen.

So viel Aufmerksamkeit wurde der unscheinbaren Schwester aus Nordamerika, der Strahlenlosen Kamille, nicht zu Teil. Erst um 1850 wurde sie in Europa eingeführt. Anspruchslos und unauffällig hat sie sich seit dem von den Botanischen Gärten ausgehend im Stadtgebiet immer weiter ausgebreitet.

Geruchlose Kamille am StraßenrandAuch häufig an Straßenrändern zu sehen ist die Geruchlose Kamille, Matricatia maritima inodora oder Tripleurospermum inodorum genannt. Oft bildet sie sogar größere Bestände an Straßenböschungen. Sie enthält keine ätherischen Öle und auch mit heilender Wirkung kann sie nicht dienen. Von der Echte Kamille, die hauptsächlich auf Feldern zu finden ist, unterscheidet sie sich außer durch ihre Geruchlosigkeit und ihren größeren Wuchs durch den flachen Blütenboden. Bei der Echten Kamille ist der Körbchenboden gewölbt und innen hohl.
Auch die Geruchlose Kamille ist wie die Strahlenlose Kamille ein Neophyt. Sie  kommt ursprünglich aus Vorderasien.