Salbei

Salbei auf dem Mittelstreifen einer Autobahn, Foto: Elke Behrends

Hier hat sich in der Nähe einer Autobahn - ganz konträr zu seinem Namen - ein Wiesen-Salbei am Straßenrand niedergelassen. Aus dem Mittelmeerraum kommend fürchtet er die Trockenheit nicht und hat hier so viel Licht und Sonne wie im Süden.


Die Gattung Salvia zählt zu den altbekannten Heilpflanzen. Der Wiesen-Salbei, Salvia pratense, enthält jedoch so gut wie keine ätherischen Öle und ist für die Pflanzenheilkunde nicht von Bedeutung.
Der Echte Salbei, Salvia officinalis, um so mehr. Schon in der Antike wurde der Salbei als Allheilmittel sehr geschätzt. Die Heilkraft der Pflanze als Universalmedizin klingt schon in ihrem botanischen Namen an: salvare heißt heilen.
Man findet in vielen Kräuterbüchern seitenlange Aufzählungen von Rezepten und Anwendungsmöglichkeiten des Salbeis. Früher traute man ihm so gut wie alles zu. Am meisten bewährt haben sich bis heute seine entzündngshemmenden Eigenschaften bei Halsschmerzen und Erkältungen.

Eine Besonderheit des Wiesen-Salbeis ist der Bau seiner großen, helmförmigen Blüten. Der Salbei gehört zur Familie der Lippenblütler. Mit seiner Unterlippe bietet er den Insekten einen angenehmen Landeplatz. Sobald sich ein Insekt dort auf dem unteren Blütenblatt niederlässt und am Grund der Blüte nach Nektar sucht, kippt der Stiel des Staubbeutels nach unten und bepudert den Rücken des Gastes. Fliegt der zur nächsten Blüte, ist die Bestäubung gesichert.

Blüte des Wiesensalbeis, Foto: Elke Behrends

Exkurs: Was uns heute so selbstverständlich erscheint, nämlich dass Blütenpflanzen und Insekten aufeinander angewiesen sind, weiß man erst seit etwas mehr als 200 Jahren. Christian Konrad Sprengel veröffentlichte seine Beobachtungen 1793 in seinem Buch ”Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen”.
Herr Sprengel hatte ursprünglich Theologie und Philosophie studiert und war Gymnasiallehrer in Spandau. Seine Liebe galt jedoch der Botanik. Durch genaue Beobachtung kam er dem Geheimnis der Bestäubung auf die Spur. Er stellte fest, dass Blüten nicht nur zu unserer Freude schön bunt und duftend sind und Bienen nicht einfach nur hungrig. In einem fein aufeinander abgestimmten System sind Insekten und Blütenpflanzen zum Zweck ihrer Vermehrung untrennbar aufeinander angewiesen.

Diese Entdeckung löste damals große Empörung aus, denn solch zweckorientiertes Verhalten wollte man der Natur nicht zutrauen. Allen voran Herr Goethe, der sich ja auch als Naturforscher betätigte, wies dies zurück. Für ihn waren “Blumen die Hyroglyphen und Methaphern der Natur, um uns zu sagen, wie lieb sie uns hat”. Die Entdeckungen Konrad Sprengels entsprachen nicht dem Zeitgeist der Romantik. Sprengel verlor seine Stellung und erst nach seinem Tod wurde er durch Darwin rehabilitiert.