Rainfarn

Rainfarn am Straßenrand

Der Name Rainfarn ist eigentlich irreführend: Trotz seiner schön gefiederten Blätter gehört Tanacetum vulgare, auch Chrysanthemum vulgare genannt, nicht zu den Farnen, sondern zu den Korbblütengewächsen und ist darum eher verwandt mit Margeriten und Chrysanthemen. Allerdings weisen seine kleinen gelben Blütenköpfchen, die nur aus vielen kleinen, unscheinbaren Röhrenblüten bestehen, wenig Ähnlichkeit mit den prächtigen Chrysanthemen-Züchtungen auf, die wir im Herbst aus den Blumenläden kennen. ...

Den ersten Teil seines Namens trägt der Rainfarn aber völlig zu Recht: Er wächst vorzugsweise auf “Rainen”, auf unbebauten Streifen an Acker- und Wegrändern, aber auch an Straßenrändern, wo sich etwas Erde angesammelt hat. Anspruchsvoll ist er nicht mit seinen harten Stängeln und robusten Wurzeln. So findet man den Rainfarn im Spätsommer, wenn sich viele Pflanzen nach einer längeren Hitzeperiode nicht mehr so farbenprächtig zeigen, noch in voller Blüte.

Seine gelben, schirmförmigen Blütenrispen sind als Schnittblumen gut haltbar und wirken auch in Trockenblumensträußen sehr dekorativ. Wenn man einige Stiele des Rainfarns pflückt, nimmt man den eigenartig herben, kampferartigen Geruch wahr, der von der Pflanze ausgeht. Das getrocknete und pulverisierte Kraut in den Kleiderschrank gelegt half, Flöhe, Mücken und Motten zu vertreiben.
 
Rainfarn am StraßenrandAber nicht nur unliebsame Tiere, sondern auch Dämonen und Unheil sollte der Rainfarn vertreiben. Karl der Große empfahl in seinem “Capitulare” deshalb seinen Anbau. Bei Gewitter im Kamin verbrannt, sollte er als eine dem Gott Thor geweihte Pflanze Blitz und Donner fernhalten. Der Brauch, geweihte Kräuter zum Schutz gegen Unheil und bösen Zauber im Haus aufzuhängen, ist sehr alt und wurde von der katholischen Kirche aufgegriffen. Am 15. August, zu Mariä Himmelfahrt, wird heute noch in vielen Gemeinden eine Kräuterweihe abgehalten. Der Rainfarn ist neben Schafgarbe, Beifuß, Johanniskraut und vielen anderen Blütenpflanzen immer in den geweihten Kräuterbüscheln vertreten. 

Als Farbstoff ergeben die Blüten zusammen mit dem Beizmittel Alaun einen dunkelgelben Farbton. Je nach  Zusammensetzung und Anwendung der Beize lassen sich verschiedene  Gelb-, Grün- und Brauntöne erzielen.

In den noch existierenden Schriften der Antike wird der Rainfarn nicht erwähnt. Erst seit dem 8. Jahrhundert ist er in Büchern der Pflanzenheilkunde zu finden. Hildegard von Bingen z. B. empfiehlt Blätter des Rainfarns als Gewürz bei Magenbeschwerden. Später wurde er gegen Würmer eingesetzt. Auch als Abtreibungsmittel wurde der Rainfarn missbraucht. Der in ihm enthaltene Wirkstoff Thujon ist ein starkes Nervengift. Da die Gefahr einer Überdosierung und Vergiftung sehr hoch ist, wird der Rainfarn für medizinische Zwecke heute nicht mehr verwendet. Eine andere Tanacetum-Art jedoch, das Mutterkraut, findet in der Forschung als vorbeugendes Mittel gegen Migräne zunehmend Beachtung.  

In Wildkräutergärten hält die hohe Staude langsam wieder Einzug, denn sie ist nicht nur dekorativ, sondern lockt auch nützliche Insekten an. Für viele Schmetterlings-Raupen aus der Familie der Spanner und Eulen ist der Rainfarn eine beliebte Nahrungsquelle. Ein Sud aus seinen Blättern hilft dem Gärtner beim Kampf gegen Milben, Mehltau und Rostbefall.