Natternkopf

natternkopf auf einem Mittelstreifen

Diese schöne blaue Pflanze sieht man im Sommer öfter in Berlin. Sie kann Trockenheit und Sonne gut ertragen und ist eine Zierde für jede Mittelinsel im Straßenbild - wie hier an der Urania Berlin.

Aus den trichterförmigen, rot-violetten Blütenköpfen des Natternkopfs züngeln gespaltene Griffel weit heraus - diese erinnerten schon die Griechen an Natternzungen. Sie nannten diese Pflanze deshalb Echion, Schlange oder Natter. Die eng mit Blütenknospen versehenen Blütenrispen des Natternkopfs blühen von unten nach oben und von innen nach außen, was der aufrechten, bis zu 1 m hohen Staude im Spätsommer ein sperriges, pyramidenförmiges  Aussehen gibt.

Natternkopf nah mit BieneDie jungen Knospen sind zunächst rosa gefärbt. Je älter eine Blüte wird, um so mehr nimmt sie einen blau-violetten Farbton an. Der Grund dafür ist eine Veränderung des PH-Wertes im Zellsaft der Blüten. Die rosafarbenen Knospen haben einen sauren PH-Wert, die älteren blauen Blüten einen zunehmend basischen. Dieses Farbspiel kann man auch beim Lungenkraut oder beim Beinwell beobachten, die wie der Natternkopf ebenfalls zu der Familie der Raublattgewächse gehören.

Rau ist außer den Blüten wirklich alles am Natternkopf: der gepunktete Stängel, die Blätter, die Früchte – alles ist mit kleinen Borsten überzogen, die ihn vor dem Gefressenwerden schützen. Darüber hinaus sorgen die borstigen Haare dafür, dass die Feuchtigkeit weniger schnell verdunstet. Zusätzlich mit einer bis zu 2 m langen, rübenartigen Wurzel versehen, ist der Natternkopf also gut gerüstet für das harte Großstadtleben. Er zählt zu den so genannten Pionierpflanzen, die auch humusarme, steinige Böden besiedeln können. Inzwischen hat er sich auch in Nordamerika eingebürgert.

Auf den Kanarischen Inseln, auf Madeira und den Azoren, sind die Natternköpfe gewissermaßen außer Rand und Band geraten: Etwa 30 eigene Arten sind dort entstanden. Sie können erstaunlich groß werden, wie zum Beispiel der Echium pininana, der eine 5 m hohe Blütenkerze entwickeln kann, oder der prachtvolle Teide-Natternkopf auf Teneriffa. Unser einheimischer Natternkopf tritt wesentlich bescheidener auf.  Aber auch er ist eine Zierde in jedem Naturgarten. Er blüht lange und zieht viele, auch seltene Insekten an.

Im Mittelalter wurde der Natternkopf sogar als Gemüse und als Heilpflanze verwendet. Bei innerlicher Anwendung wirkt er harn- und schweißtreibend. Heute weiß man, dass die in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloide auch leberschädigend und krebserregend sind und rät vom Verzehr dringend ab. Äußerlich angewendet fördern das Allantoin und die Schleimstoffe des Natternkopfs die Wundheilung. Die Alkanine wirken antimikrobiell. Deshalb wurde der Natternkopf früher auch zur Heilung und Linderung von Schlangen- und Insektenbissen verwendet. Gemäß der Signaturenlehre von Paracelsus wurde das Aussehen einer Pflanze oft als Hinweis darauf verstanden, gegen welche Krankheiten und Beschwerden eine Pflanze helfen könnte.

Natternkopf fast verblüht