Nachtkerze

Blüte der Nachtkerze vor einer Grafitti-Wand

Eine besondere Schönheit in unseren Straßen von Juni bis September ist die Nachtkerze, Oenothera biennis. Ursprünglich stammt sie aus Nord-Amerika. Aus den botanischen Gärten Europas, wo man sie angepflanzt hatte, ist sie seit dem 17. Jahrhundert ausgewildert und findet sich heute weltweit in den gemäßigten Klimazonen. ...

 

Die Nachtkerze blüht, wie der Name schon sagt, nur in der Nacht.  Abends öffnen sich die Knospen binnen weniger Minuten zur vollen Blüte und verströmen einen zarten, angenehmen Duft, mit dem sie Nachtfalter zu Bestäubung anlocken. Gegen Mittag des nächsten Tages ist die Blüte schon verwelkt. Als Standort bevorzugt sie Schutt- und Sandboden und sonnige Plätze. Dort bildet sie im ersten Jahr eine große Blattrosette und erst im zweiten Jahr erscheint der ca.1m hohe Stängel mit der spitz zulaufenden Blütenrosette. Darauf verweist der Artname biennis, lateinisch für zweijährig.

Von den Nachtkerzen gibt es viele verschiedene Arten. Eine Besonderheit ist die Eigenschaft der Nachtkerze, aus zufälligen Kreuzungen schnell eigenständige Sippen zu bilden. Diesen Umstand machte sich der Botaniker de Vries um 1900 zu Nutze und entwickelte aus Beobachtungen an der Nachtkerze seine Mutationstheorie. Diese bestätigte die Vererbungsgesetze, die Gregor Mendel ca. 40 Jahre vorher in einer bis dahin wenig beachteten Veröffentlichung  dargelegt hatte.

Die Nachtkerze ist jedoch nicht nur als Forschungsobjekt eine sehr nützliche Pflanze. Ihre dicke, rötliche Rübenwurzel wurde früher wie die Schwarzwurzel gern als Gemüse gegessen. Dies verhalf ihr in Frankreich zu dem wenig poetischen Namen “Jambon des Jardiniers”, Schinken der Gärtner. Auch die Blätter konnten als Salat gegessen werden.

Besonders wertvoll jedoch ist das Nachtkerzenöl aus den vielen winzig kleinen Samen der Nachtkerze. Im ersten Weltkrieg experimentierte man viel mit Pflanzensamen, um Speise- oder auch Brennöl zu erzeugen. Dabei stieß man auf das Nachtkerzenöl, das einen hohen Gehalt an Linolsäure enthält. Erst in der 80er Jahren entdeckte man darin auch die seltene Gamma-Linolensäure, eine mehrfach ungesättigte, essentielle Fettsäure, die im menschlichen Stoffwechselprozess eine wichtige Rolle spielt, aber im Organismus nicht selbst gebildet werden kann. Als Nahrungsmittel-Ergänzung unterstützt das Öl die Bildung entzündungshemmender und krampflösender Stoffe und wird deshalb u. a. bei prämenstruellem Syndrom empfohlen. Äußerlich angewendet ist das Öl ein hervorragendes Mittel gegen trockene Haut und deshalb in vielen hochwertigen Kosmetika sowie in Salben gegen Neurodermitis enthalten. In China wird die Nachtkerze im großen Stil für den Export angebaut.