Kanadische Goldrute

Kanadische Goldrute am Straßenrand

Die dekorativen goldgelben Blütenwedel der Kanadischen Goldrute, Solidago canadensis, sind euch sicher schon aufgefallen. Im Herbst sind sie oft an den Berliner Straßenrändern zu sehen. Die bis zu 2 m hohe Staude hat sich in unseren Straßen etabliert wie kein anderer Einwanderer, im Pflanzenreich Neophyt genannt. ...


Unser Leben wird seit der Entdeckung Amerikas immer internationaler, und das macht sich auch im Pflanzenreich bemerkbar. Mitte des 17.Jahrhunderts aus Nordamerika als Zierpflanze in europäische Gärten geholt, ist sie mit Hilfe ihrer an den Samen gebildeten Flughaare mit Leichtigkeit aus den abgezäunten Arealen geflohen. 1863 ist sie zum ersten Mal in der Berliner Umgebung angetroffen worden. Seitdem tritt die Kanadische Goldrute einen “invasiven” Siegeszug an und kann auf Halbtrockenrasen hektargroße Flächen vereinnahmen. Dies veranlasste vor wenigen Jahren sogar Abgeordnete der CDU/CSU zu einer Kleinen Anfrage, was die Bundesregierung gegen die Bedrohung heimischer Pflanzen durch Neophyten zu unternehmen gedenke. Allerdings sah die Bundesregierung keine akute Gefahr. Ungefähr 10% der deutschen Vegetation besteht inzwischen aus Neophyten, die sich vor allem im Stadtgebiet ausgezeichnet an die neuen Lebensverhältnisse angepasst haben. Da viele Insekten auf bestimmt einheimische Pflanzen angewiesen sind und die Neuankömmlinge oft nicht als gleichwertige Pollen- und Nektarlieferanten erkennen, drohen diese Insekten auszusterben, wenn ihre gewohnten Wirtpflanzen verdrängt werden. Allerdings hat gerade die Kanadische Goldrute reichlich Pollen zu bieten, und viele Insekten haben inzwischen dazugelernt.

Es gibt auch eine bei uns heimische, etwas kleinere Goldrute, Solidago virgaurea, die sich wiederum in Nordamerika eingebürgert hat. Der Familienname Solidago leitet sich ab von dem lateinischen Verb solidare = zusammenfügen, heilen und der Artname virgaurea bedeutet Goldrute, zusammengesetzt aus virga (lat.) = Rute und aurea (lat.) = golden.                                                                    

Die Goldrute wurde schon im Altertum als Heilpflanze verwendet. Der Tee aus Blättern und Blüten ist harnfördernd und hilft bei Nierenleiden. Martin Luther soll deshalb diese Pflanze besonders geschätzt haben. Auch die Indianer Nordamerikas wussten von ihrer heilenden Wirkung, denn die Kanadische Goldrute besitzt ähnliche Eigenschaften. Da sie auch entzündungshemmende Wirkstoffe enthält, verwendeten die Indianer sie  z. B.  bei Schlangenbissen.

Durch ihr teilweise massives Auftraten ist heute aus der alten Heilpflanze ein “Unkraut” geworden, das in ordentlichen Gärten nicht geduldet wird. Dabei ist die Goldrute eine dekorative und haltbare Zierpflanze, die in der Vase zusammen mit anderen Herbstpflanzen wie Gladiolen oder Astern gut zur Geltung kommt.  Pflücken ist also ausnahmsweise erlaubt, die Goldrute kann es - wie man hier auf dem Foto sieht - durchaus verkraften.

Kanadische Goldrute an einem Weg