Johanniskraut

Johanniskraut am Straßenrand, Foto: Elke Behrends

Hier hat sich eine altbekannte Heilpflanze am Straßenrand niedergelassen: das Johanniskraut - genauer gesagt, das Tüpfel-Johanniskraut, Hypericum perforatum, das als leichtes Antidepressivum wieder den Weg in heutige Hausapotheken gefunden hat. Es ist eine sehr widerstandsfähige, sonnige Standorte liebende, einheimische Wildpflanze.


Wenn man die hellgelbe Blüte zwischen den Fingern zerreibt, tritt ein blutroter Saft aus, das Hypericin. Dieser Wirkstoff, der auch als Rotöl in Apotheken verkauft wird, ist ein traditionelles Wundheilmittel.
Der Legende nach soll der rote Saft das Blut des geköpften Märtyrers Johannes des Täufers sein. Deshalb gab man der Pflanze den Namen Johanniskraut. Zur Zeit des Johannistages, am 24. Juni, steht die Pflanze in voller Blüte und wird zu medizinischen Zwecken geerntet.

In letzter Zeit erlebt Johanniskrautöl eine Renaissance als leichtes Antidepressivum. Ende der 80er Jahre hat man es wiederentdeckt als Alternative zu Psychopharmaka bei leichten Depressionen.

Die genauen Wirkungsmechanismen sind, wie bei vielen Heilpflanzen, bis heute unklar. Auch wird ihre Wirkung unterschiedlich beurteilt. Viele bestreiten die Wirksamkeit von Johanniskraut, manche haben gute Erfahrungen gemacht und manche empfehlen sehr hohe Dosierungen, so dass es wieder zu Nebenwirkungen wie Lichtempfindlichkeit kommen kann oder zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

In der Pharmaindustrie werden viele pflanzliche Wirkstoffe verwendet, die isoliert oder synthetisch hergestellt werden. Das bekannte Schmerzmittel Aspirin ist ein Beispiel dafür. Aus der Silber-Weide, Salix alba, wurde der schmerzhemmende Stoff Salizylsäure isoliert und dann zur Acetylsalicylsäure weiterentwickelt, dem Wirkstoff von Aspirin, das seit über 100 Jahren ein bekanntes Schmerzmittel ist.

Der Vorteil der synthetischen Herstellung von Heilmitteln ist, dass sie sich genauer dosieren lassen. Wie viel von einem Wirkstoff in einer Heilpflanze enthalten ist, ist sehr unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig: Sonnenintensität, Qualität des Bodens, Erntezeitpunkt zum Beispiel. Ein anderer Vorteil ist die Haltbarkeit, denn viele getrocknete Kräuter verlieren spätestens nach einem Jahr ihre Wirksamkeit.

Die Wirkungsmechanismen der Heilpflanzen, die oft auch auf einer Kombination verschiedener Wirkstoffe beruht, sind noch lange nicht vollständig erforscht.

Blüte des Johanniskrauts, Foto: Elke Behrends