Huflattich

Huflattich am Potsdamer Platz

Der Huflattich, Tussilago farfara, ist eine der ersten Blütenpflanzen, die sich im Frühjahr auf offenen Brachflächen in der Stadt zeigen. Schon im Februar schieben sich die einzelnen, geschuppten Stängel aus dem Boden.

Diese tragen leuchtend gelbe, wohlduftende Korbblüten, deren reiches Nektarangebot den Insekten nach einem harten Winter eine willkommene Nahrungsquelle bietet. Sie öffnen sich nur bei sonnigem Wetter, bei Regen bleiben sie geschlossen, nachts neigen sich die Blütenköpfchen nach unten. Erst nachdem sie verblüht sind, bilden sich die großen, hufeisenförmigen Blätter, die der Pflanze ihren deutschen Namen gegeben haben.
Die Pflanze selbst, die einen ausdauernden, weit verzweigten Wurzelstock bildet, ist sehr genügsam und gedeiht auch auf harten, lehmigen Böden. Sie wird meist nicht höher als 20 cm.

Der Hufflattich ist eine alte Heilpflanze. Schon Plinius nannte sie Tussilago, was so viel heißt wie “Ich vertreibe den Husten”. Schon von den Ärzten der Antike bis zu Pfarrer Kneipp wurden die Blätter als wirksames Mittel gegen Erkrankungen der Atemwege geschätzt. Nicht nur der Tee, sondern auch der inhalierte Rauch der getrockneten Blätter wirkt wohltuend bei Husten und Asthma. Fermentierte Huflattichblätter wurden noch Anfang des 20. Jahrhunderts als Tabak-Ersatz gehandelt.
Seit 2001weiß man aber, dass die Blätter neben heilenden auch krebserregende Stoffe, so genannte Pyrrolizidin-Alkaloide, enthalten. Sie werden bei einem Tee-Aufguss vollständig gelöst und können die Leber schädigen. Aus diesem Grund wird heute von der medizinischen Verwendung von Huflattich-Blättern abgeraten.

Auch als Gemüse sollten die Blätter nur in kleinen Mengen verwendet werden. Früher waren viele Frühlings-Pflanzen wie Scharbockskraut, Brennessel, Löwenzahn und eben auch Huflattich, der wegen seiner großen Blätter auch “Wilder Rhabarber” genannt wurde, willkommene Vitamin-Lieferanten auf dem Speiseplan. Die weichen Huflattichblätter sollen einen leicht nussartigen Geschmack haben und können zum Beispiel statt Weißkohl als Rouladen-Wickel verwendet werden.

Wegen der im Huflattich enthaltenen entzündungshemmenden, antibakteriellen Wirkstoffe wurden die Blättern auch von Wanderen geschätzt: Mit der weichen, filzigen Seite nach oben in die Schuhe gelegt, halfen sie gegen wunde Füße. Der Art-Name farfara, bestehend aus far Getreide und ferere tragen, bezieht sich auf diese mehlig bezogene, weiß-filzige Unterseite der Blätter.

Der Huflattich ist ein typischer Vertreter der Familie der Korbblütengewächse, Asteraceae, früher Compositae genannt. Diese größte Familie im Pflanzenreich besteht aus ca. 1500 Gattungen, die wiederum ca. 23 000 Arten umfassen. Der Blütenstand ist aus vielen kleinen Einzelblüten zusammengesetzt. In der Mitte befinden sich radial angeordnet die kurzen, weiblichen Röhrenblüten, am Rand in mehreren Reihen die längeren männlichen Zungenblüten. Wie beim bekannten Löwenzahn, der auch zu dieser Familie gehört, bilden sich nach der Befruchtung zahlreiche kleine Nussfrüchte, Achänen genannt, die mit einem seidigen Haarkranz, dem Pappus, versehen sind und so mit dem Wind Kilometer weit verbreitet werden können.