Gänseblümchen

Gänseblümchen am Potsdamer Platz

Gänseblümchen kennt jedes Kind. Die weißen Blütentupfen sind zum Leidwesen mancher Gärtner auf jedem gut gepflegten Rasen zu finden. Was dem Rasenmäher und Unkrautvernichtungsmitteln widerstehen kann, wächst ohne Schwierigkeiten auch in den Fugen des Straßenpflasters und nimmt so manchen Tritt oder Autoreifen in Kauf.

Hauptsache, es ist hell und sonnig und es sind keine größeren Konkurrenten in der Nähe, die dem Gänseblümchen den Platz an der Sonne streitig machen könnten. Dann blüht es unverdrossen vom Frühjahr bis zum Beginn des Winters. Deshalb hat es auch den lateinischen Namen Bellis perennis erhalten, “Ewig Schöne”.

Auf Gemälden mit christlichen Motiven ist das Gänseblümchen häufig zu finden, z. B. auf dem Genter Altar der Brüder van Eyck oder auf dem Dreikönigsaltar von Stefan Lochner im Kölner Dom. Es galt als Marienpflanze, die Tugend und Bescheidenheit symbolisiert. In der nordischen Mythologie war das Gänseblümchen den germanischen Göttinnen Freya und Ostara geweiht. Auch Aphrodite, die Göttin der Liebe, wurde in der Antike und der Renaissance mit ihm in Verbindung gebracht. Bis heute hat sich das Gänseblümchen-Orakel erhalten, nach dem die Anzahl der Blütenblätter Auskunft in Liebesdingen gibt. Schon Gretchen zupft in Goethes Faust die weißen Blütenblättchen. “Er/Sie liebt mich, liebt mich nicht, ...”. Diese Art des Orakels erfordert einiges an Fingerspitzengefühl und Ausdauer, um zu einem Ergebnis zu kommen - was ja in Liebesdingen nicht schaden kann.

Gänseblümchen Doch das Gänseblümchen bietet den Menschen auch ganz konkrete Hilfe bei körperlichen Beschwerden. Seine Blätter wirken zerquetscht und auf eine Wunde gelegt blutstillend und antiseptisch, seine Gerbstoffe und Bittersubstanzen wirken wohltuend auf Leber und Galle und seine Saponine helfen bei Husten und Bronchitis. Die jungen Blätter und Blüten lassen sich gut in einem Salat verwenden und sind sehr hübsch als Speisedekor. Optisch und inhaltlich wirken sie so bei Appetitlosigkeit und bei Magen-Darm-Beschwerden.

Bei so vielen guten Eigenschaften erscheint es nicht abwegig, dass das Gänseblümchen - neben der bekannten Lilie - im 13. Jahrhundert sogar zur Wappenblume Ludwig des IX. aufgestiegen sein soll.