Brennessel

Brennesseln am straßenrand

Überall wo Menschen wohnen, findet man auch die Brennessel, denn sie liebt stickstoffsalzhaltigen Boden. Selbst sehr hohe Nitrat- und Amoniumkonzentrationen, die andere Pflanzen schädigen würden, machen ihr wenig aus. Auf erhöhten Ozongehalt in der Luft allerdings reagiert sie schnell mit braunen Flecken auf den Blättern. ...


Es gibt zwei Arten von Brennesseln, die große, Urtica dioica, und die kleine, Urtica urens. Die eine ist eine Staude, deren Triebe bis zu 1,5 Meter hoch werden können, die andere ist eine einjährige Pflanze, die relativ klein bleibt. Beide bilden sowohl männliche als auch weibliche Blüten, die Große Brennessel an verschiedenen Pflanzen (dioica (lat.) =  zweihäusig), die Kleine Brennessel trägt beide Blütenarten an einer Pflanze. Unangenehm brennen können beide, die kleinere sogar ein bisschen mehr. Deshalb kommt das lateinische Wort urere für brennen auch gleich zwei Mal in ihrem Namen vor. Die Brennhaare brechen bei der geringsten Berührung ab und dringen wie eine spitze Kanüle in die Haut ein. Weniger als ein millionstel Gramm des Brennesselgiftes ruft schon die typische Quaddel auf der Haut hervor. Die Zusammensetzung des Giftes ist noch nicht vollständig erforscht. Ameisensäure und Histamin verstärken den Schmerz, sind aber nicht das Nesselgift.

Die Brennessel war schon in der Antike und im Mittelalter als Heilpflanze wohlbekannt. Ihre Blätter sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Die jungen Triebe sorgen, als frischer Presssaft getrunken, in der Suppe oder als Gemüse im Frühjahr zur Anregung des Stoffwechsels. Das Brennesselgift geht dabei schon nach kurzer Garzeit verloren. Der Tee aus den getrockneten Blättern wirkt harntreibend und entschlackend. Der Sud aus den Blättern hilft gegen Schuppen und Haarausfall und ist in vielen Shampoos enthalten. Die kleinen Samen der Brennessel sind sehr nahrhaft und schmecken angenehm nach Nüssen. Sie galten früher als Aphrodisiakum. Selbst die Wurzel der Brennessel hat heilende Wirkung; in letzter Zeit werden ihre Inhaltstoffe für die Verwendung bei Prostata-Leiden erforscht.
 
Doch damit ist die breite Anwendungspalette dieser Pflanze noch längst nicht ausgeschöpft: Das Nesseltuch, ein strapazierfähiger und saugfähiger Stoff aus Brennesselfasern, wegen seines billigen Rohstoffs das “Leinen der armen Leute” genannt, war früher weit verbreitet.  Seit 1996 gibt es in Norddeutschland wieder eine Firma, die sich auf die Herstellung von Nesseltuch und den Anbau von Brennesseln spezialisiert hat. Da die Brennessel so widerstandsfähig ist, kann man bei ihrem Anbau auf Pflanzenschutzmittel verzichten, was bei der Herstellung von Stoffen vor allem für Allergiker von Vorteil ist.

Obwohl die Brennessel nicht gerade eine Zierpflanze ist, sollte man ihr doch auch im Garten ein Plätzchen einräumen. Viele schöne Schmetterlinge sind auf die Brennessel für ihre Eiablage angewiesen. Und aus ihren Blättern lässt sich eine Jauche herstellen, die sich hervorragend als Dünger und Pflanzenschutz eignet.