Beifuß

Beifuß-Staude am Straßenrand

Wahrscheinlich ist der Beifuß bisher den wenigsten Großstadtbewohnern aufgefallen, obwohl man diese bis zu 1,5 m hohe Staude fast an jeder Straßenecke finden kann. Mit schönen großen Blüten kann der Beifuß nämlich nicht aufwarten, um auf sich aufmerksam zu machen. Seine unscheinbaren Blüten bilden sich erst im Hochsommer, und dann sehr zum Leidwesen vieler allergiegeplagter Menschen.

Trotz der unangenehmen Eigenschaft seiner Pollen ist der Beifuß eine wichtige, schon seit der Antike bekannte Heilpflanze. Nach der griechischen Göttin Artemis, der Göttin der Jagd und der Beschützerin der Frauen und der Geburt, wird er Artemisia vulgaris genannt. In seiner alten medizinischen Verwendung diente der Beifuß der Erleichterung der Geburt, zur Regulierung des Menstruationszyklus und beim Ausbleiben der Blutung.

Junge Beifuß-Staude am StraßenrandAuf diese Eigenschaft lässt jedoch der deutsche Name Beifuß nicht schließen. In Nordeuropa wurde er angeblich ans Bein gebunden, um den Wanderer vor Müdigkeit zu schützen, daher der Name. Als Räucherpflanze verwendet, half sein herb-würziger Geruch, Flöhe und Mücken zu vertreiben.

Heute kommt der Beifuß manchmal noch als Gewürz zu Ehren, zum Beispiel im Gänsebraten. Häufiger in der Küche zu finden ist sein Verwandter, der Estragon, Artemisia dracunculus, dessen Aroma viele Speisen verfeinert. Alle Artemisia-Arten enthalten Bitterstoffe, die  verdauungsfördernd auf Galle und Magen wirken. Deshalb wird  Beifuß auch gerne in Kräuterlikören und Magenbittern verwendet.  

Die bitterste Pflanze überhaupt ist jedoch eine andere Artemisia-Art, der Wermut, Artemisia absinthium. Auch er ist oft im Kräuterlikör zu finden. Aus ihm wurde der Absinth hergestellt, der im 18. und 19. Jahrhundert ein sowohl preiswertes als auch beliebtes alkoholisches Getränk war. Heute weiß man, dass das darin enthaltene Thujon in hoher Dosierung ein starkes Nervengift ist. Viele bekannte Künstler, wie z. B. van Gogh und Oskar Wilde, waren Absinth-Trinker. Wegen seiner toxischen Wirkung wurde in den 20er Jahren die Herstellung von Absinth verboten. Seit 1998 ist die Herstellung von Absinth nach den neuen EU-Richtlinien wieder zugelassen, allerdings mit einem weit geringerem, kontrollierten  Thujongehalt.

Nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und China ist eine  Beifuß-Art, Artemisia annua, seit ca. zweitausend Jahren als Heilpflanze bekannt. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass  Artimisin ein wirksames und nebenwirkungsfreies Mittel gegen Malaria ist. Die Produktion diese Pflanzenwirkstoffes reicht jedoch nicht aus, um den weltweiten dringenden Bedarf an kostengünstigen Malariamitteln zu decken. Mit Hilfe der Gentechnologie versucht man zu Zeit, die Artimisin-Produktion zu erhöhen.

 

Achtung! Der Beifuß ist leicht zu verwechseln mit einer Pflanze, die dem Beifuß sehr ähnlich sieht, der Beifuß-Ambrosie, Ambrosia artemisiifolia. Die Pollen dieser Pflanze, die ursprünglich aus Nordamerika kommt, sind im höchsten Maße allegieauslösend. Gemeinsam mit dem Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin haben sich die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie das Pflanzenschutzamt Berlin vorgenommen, die Ambrosia-Pflanze in Berlin zu bekämpfen und so die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Informationen zu Ambrosia finden Sie unter http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/org/gesundheit/umweltmedizin_ambrosia.html
Ambrosia -Funde können Sie melden unter http://ambrosia.met.fu-berlin.de/ambrosia/fund_melden.php

Der Beifuß unterscheidet sich von der Ambrosia-Pflanze unter anderem durch die weißliche Unterseite seiner Bätter und seine unbehaarten Stängel.